Wo alles begann
Sonntagabend war irgendwann nicht mehr einfach Sonntagabend.
Es war dieser Moment, in dem mir bewusst wurde: Morgen ist Montag.
Wieder ins Büro. Wieder eine ganze Woche, in der andere darüber bestimmen, wann ich komme, wann ich gehe und ob ich Urlaub nehmen darf.
Dabei war Arbeit an sich nie mein Problem. Ich habe immer gerne gearbeitet und war viele Jahre im Speditions- und Logistikbereich tätig, unter anderem als Disponentin. Gleichzeitig war ich alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Töchtern. Vollzeitjob, Kinder, Haushalt, Verantwortung – alles lief irgendwie.
Was mich zunehmend zermürbt hat, war etwas anderes: fehlende Wertschätzung, schwierige Arbeitsumfelder und dieses ständige Gefühl, dass meine Zeit eigentlich gar nicht mir gehört.
„Soll das jetzt wirklich so weitergehen? Bis 65? Vielleicht noch länger?“
Ich wechselte mehrfach den Job. Jedes Mal mit der Hoffnung: Vielleicht wird es diesmal anders. Aber das Gefühl verschwand nicht. Irgendwann bekam ich schon am Sonntagabend Panikattacken beim Gedanken an die kommende Arbeitswoche. Ich fühlte mich zunehmend depressiv, hatte kaum noch Energie und funktionierte trotzdem weiter.
Bis es nicht mehr ging. Ich landete im Burnout und war mehrere Monate krankgeschrieben. Auf professionelle Unterstützung hätte ich damals teilweise viele Monate warten müssen; eine private Therapie konnte ich mir finanziell nicht leisten. In dieser Zeit halfen mir unter anderem Bücher und Podcasts dabei, mich wieder mit mir selbst und meiner Situation auseinanderzusetzen. Das ist meine persönliche Erfahrung – keine medizinische Empfehlung.
Und ich hatte viel Zeit für einen Gedanken, der mich lange begleitet hatte: Mit mir stimmt etwas nicht. Andere waren seit 10 oder 20 Jahren in derselben Firma. Sie schienen ihren Platz gefunden zu haben. Warum konnte ich das nicht?
Heute sehe ich das anders: Vielleicht musste ich aufhören, meinen Platz in einem System zu suchen, das für mich nicht mehr gepasst hat.